Jugendliche mit Migrationshintergrund leben zwischen den Kulturen: familiäre Werte und Normen treffen auf die der deutschen Mehrheit und müssen mit dieser konstant in Einklang gebracht werden. Gerade Teenager, sowohl Mädchen als auch Jungen, geraten dabei unter empfindlichen Druck. Jungen sind gegenüber den Mädchen oberflächlich betrachtet zwar in einer privilegierten Position, da ihnen aufgrund ihres Geschlechts bestimmte, scheinbare Freiheiten zugesprochen werden. Dennoch werden die Jungen gleichermaßen in ihrer freien Entwicklung eingeschränkt. Vielfach sind die jungen Männer schon früh gezwungen, konservative und traditionelle Vorstellungen von „Männlichkeit“ repräsentieren zu müssen. Da die gemeinsame Familienehre traditionell mit der Ehrwürdigkeit der Frauen verknüpft ist, fungieren männliche Familienangehörige als Beschützer der Ehre und sind dazu verpflichtet, Ehrvorschriften durchzusetzen oder auch einen drohenden Ehrverlust – im Extremfall mit Gewalt - zu verhindern. Söhne und Brüder geraten dadurch – auch entgegen ihrer eigenen Vorstellungen – in eine Täterrolle bzw. die Rolle des „Unterdrückers“. Eine Abkehr von dieser traditionellen Aufgabe bleibt auch für Jungen nicht ohne Konsequenzen. Für beide Geschlechter ist es äußerst schwer mit familiären Traditionen zu brechen und erfordert großen Mut. Die Grenzen zwischen Opfer- und Täterrollen sind fließend. Ein Durchbrechen dieser Strukturen erfordert die Zusammenarbeit beider Geschlechter. Ziel ist es somit, den Jungen alternative Definitionen von Männlichkeit aufzuzeigen, Vorstellungen über Geschlechtlichkeit zu reflektieren und sie darin zu bestärken, die Mädchen bzw. Frauen als gleichwertige, autonome Mitmenschen wahrzunehmen sowie diese zu unterstützen. Das Projekt HEROES richtet sich deshalb zunächst an Jungen mit Migrationshintergrund, die aktiv etwas in ihrem Umfeld zu bewegen möchten – für sich und für andere.