Ursprünglich 1914 von Papst Benedikt XV. ausgerufener Gedenktag der katholischen Kirche
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 war die WM der Diaspora: Fast 300 Spieler (etwa ein Viertel) wurden nicht in dem Land geboren, für dass sie angetreten sind. Wie viele Spieler mit Migrationshintergrund angetreten sind, lässt sich nicht einmal schätzen. In der deutschen Nationalmannschaft sind es 14 von 26 Spielern. Insgesamt 99 Spieler der WM sind in Frankreich geboren, sie traten für insgesamt 13 verschiedenen Nationen an.
Wir leben in einer Welt, die zunehmend durch Migrations- und Fluchtbewegungen gekennzeichnet ist. Selten wurde das so deutlich wie bei diesem Turnier, sowohl Mannschaften als auch Publikum waren stärker durch Migration geprägt als jemals zuvor.
Was bedeutet in diesem Zusammenhang der Welttag, der dieses Jahr auf den 27. September fällt?
Zwischen Forderungen nach schärferen Grenzkontrollen, mehr Abschiebungen und einem politischen Klima, in dem Zuwanderung ausschließlich als Problem thematisiert wird, lohnt es sich um so mehr daran zu erinnern, dass Menschen zu uns kommen, die Hoffnung mitbringen, in ein Land dem es gerade an Hoffnung fehlt. Menschen, die Mut und Kreativität mitbringen. Menschen die außergewöhnliches leisten können. Aber auch Menschen mit besonderen Herausforderungen, Ängsten und Traumata.
Und hier zeigt sich die Stärke des päpstlichen Textes von 1914. Er gibt konkrete Empfehlungen wie wir damit umgehen können. In seinem Dekret an die Priester zum Umgang mit Migration setzte der damalige Papst unter anderem folgende Schwerpunkte:
- Sprachliche Vorbereitung der Priester
- Kulturelle Vorbereitung, weil eine wertschätzende Begleitung das Ziel war und nicht ein Anpassungszwang an die neue Heimat.
- Priester mit einer besonderen Sensibilität für Migranten und Flüchtlinge wurden ausgewählt, die geschult wurden, um auf die besonderen Herausforderungen eingehen zu können, zum Beispiel Heimweh, Identitätsverlust, soziale Ausgrenzung.
- Institutionelle Strukturen, geleitet von Personen derselben Sprache oder Herkunft1.
Diese Ideen, aus den Katastrophen der Vergangenheit entstanden, erscheinen uns heute so modern und notwendig, weil sie immer noch nicht umgesetzt wurden. Noch immer wird jegliche Anpassungsleistung denjenigen aufgebürdet, die bereits ihr komplettes Leben neu organisieren. Noch immer sprechen wir von Integration als etwas was „die anderen“ leisten müssen.
Wir erinnern uns daran, was Integration auch bedeuten kann. Nämlich die Veränderung eines Systems um neue Elemente aufnehmen zu können.