„Triggerwarnung: [Suizid]“

 

„Sei ein Mann“, „echte Männer zeigen keinen Schmerz“, „heul nicht so rum“. Wir alle kennen diese Sprüche und sind vielfach damit aufgewachsen. Wenn wir Gefühle gezeigt haben, abseits von Wut, gab es häufig solche oder ähnliche Reaktionen von erwachsenen Männern oderälteren Jugendlichen zu hören. Trauer, Schmerz, Hilflosigkeit auszudrücken, wurde als Zeichen von Schwäche und „Unmännlichkeit“ umgedeutet. Während Kindheit und Jugend verlernen viele Männer damit einen gesunden Umgang mit ihren Gefühlen. Im Erwachsenenalter fällt es dann umso schwerereinen konstruktiven Umgang mit Krisen, Trauerfällen und emotionalen Bedürfnissen zu finden.

Zum Welttag der psychischen Gesundheit möchten wir uns einmal ansehen, was gewisse Vorstellungen von Männlichkeit für Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben können.
Seit dem Aufruf zum ersten World Mental Health Day 1992 durch den Weltverband für Psychische Gesundheit hat sich auf manchen Ebenen viel getan: Das Thema ist in der Öffentlichkeit wesentlich präsenter, und es gibt mehr und bessere Möglichkeiten sich zu informieren. Die UN, zahlreiche NGOs und auch unterschiedliche staatliche Einrichtungen engagieren sich. Unter anderem gibt es seit 2010deutschlandweit eine Woche der seelischen Gesundheit an der sich auch die Stadt Nürnberg beteiligt¹.

Leider ist aber auch manches beim Alten geblieben. Therapieplätze fehlen oder sind sehr teuer, Arbeitgeber zeigen teilweise nach wie vor kein Verständnis und setzen Mitarbeitende unter Druck. In vielen Familien ist das Thema noch immer tabu und wird unter den Teppich gekehrt. Betroffene werden mit ihren Problemen immer noch zu häufig alleine gelassen oder bekommen zu hören, sie sollen sich „zusammenreißen“. Unsere Gesellschaft erwartet nach wie vor, dass wir funktionieren, produzieren und uns permanent selbst optimieren. Stehen bleiben, reflektieren, eigene Schwächen akzeptieren, aufgeben und scheitern sind keine Optionen.

Für Männer insbesondere gilt hier, dass wir Täter und Opfer dieses Systems sind. Wir kümmern uns zu spät um unsere eigenen psychischen Probleme und nehmen die der anderen nicht ernst genug oder überhaupt nicht wahr. Wir sind hart zu uns selbst und zu anderen.
Die Folgen sind katastrophal. Insbesondere wird das an der Suizidstatistik deutlich. Von den etwa10.000 Selbsttötungen im Jahr 2024 in Deutschland entfallen laut Statistischem Bundesamt fast 7500auf Männer. Weltweit hat die WHO für 2021 ca. 700.000 Suizide erfasst, Männer töten sich demnach über doppelt so häufig selbst wie Frauen². Diese erschreckenden Zahlen haben viele verschiedenen Ursachen, aber die Vorstellung stark und hart sein zu müssen, seine Gefühle nicht zu zeigen und bloß nicht um Hilfe zu bitten gehören sicher dazu.

Um unsere eigene psychische und physische Gesundheit zu schützen, aber auch um andere vor den schlimmsten Auswirkungen zu bewahren, folgen hier drei paradoxe Tipps:

1. Zeigen wir Stärke, indem wir Schwäche zulassen.
2. Seien wir sanft zu uns selbst und hart zu denen, die uns das ausreden wollen.
3. Suchen wir Hilfe, um besser für andere da sein zu können.

 

 

Hilfsangebot: https://kdmfr.de/krisendienst-mittelfranken/

[1] https://www.nuernberg.de/internet/gesundheit_nbg/wochederseelischengesundheit.html
[2] https://www.who.int/publications/i/item/9789240110069